Ernährung nach den 5 Elementen

 

Die meisten Diäten und Ernährungssysteme betonen, wie wichtig es ist, was wir essen. Die Ernährung nach den 5 Elementen stellt unter ihnen eine Ausnahme dar: Bei ihr geht es nicht darum was wir essen, sondern in welcher Reihenfolge wir die einzelnen Zutaten bei der Zubereitung der Speisen hinzugeben.

Die Theorie der fünf Elemente ist ein Teil der traditionellen chinesischen Medizin, die bereits mehrere Tausend Jahre alt ist. Ihr liegt das Konzept der sog. fünf Elemente  (Xing) zugrunde. Dabei handelt es sich um die Elemente: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser – die uns ebenfalls unter anderem vom  Feng-Shui, der Kunst der harmonischen Gestaltung von Räumen her bekannt sind. Xing ist ein Wort mit mehreren Bedeutungen: es wird nicht mit "Naturgewalten" oder "Elemente" sonder auch mit "Phasen" übersetzt; den das wesentliche dieses Konzepts ist sein dynamischer Charakter. Nicht die Elemente selbst, sondern die Übergänge zwischen ihnen sind das Wesentliche. Das Wichtigste an der Theorie der Fünf Elemente ist der Grundsatz der Bewegung, die über die zyklisch verlaufenden Änderungen herrscht sowie die gegenseitige Durchdringung aller kosmischen Elemente. Die Auswirkung dieser Grundlage ist vor allen die Wiederholbarkeit der in der Natur auftretenden Erscheinungen – insbesondere der Ablauf der aufeinanderfolgenden Jahreszeiten. Frühling, Sommer, Spätsommer, Herbst und Winter entsprechen den Wandlungen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

 

 

Neben den Jahreszeiten sind ebenfalls die Tageszeiten, Lebensphasen, menschlichen Organe, Emotionen, Geschmäcker, Farben oder Lebensmittel zyklischen Veränderungen unterworfen. Dies betrifft sowohl den Makrokosmos als auch den Mikrokosmos, dem der menschliche Körper entspricht [2]. Jeder von uns besteht aus anderen Proportionen der fünf Elemente; gewöhnlich ist eines von ihnen dominierend. Unsere Persönlichkeit, unser Wesen und Talente stehen ebenfalls mit den Jahreszeiten und Elementen in Verbindung [3].

Das Ergebnis dieser unentwegten Veränderlichkeit ist das dynamische Gleichgewicht. Sämtliche Unregelmäßigkeiten – darunter Krankheiten – entstehen aufgrund einer Störung dieses Gleichgewichts, wenn ein oder mehrere Elemente ein Übergewicht erringen. Das Ziel eines richtigen Lebenswandels besteht also darin, die richtigen Proportionen zwischen den Elementen und dem richtigen Ablauf des Wandlungszyklus zu gewährleisten.

Nichts im Universum ereignet sich allein, sondern ist ein integraler Bestandteil des Ganzen. Deshalb sind in der Küche, wie im gesamten Leben, nicht die einzelnen Zutaten, sondern die Art und Weise wichtig. Wie diese verbunden werden. Beim Kochen müssen Sie ebenfalls in der richtigen Reihenfolge hinzugegeben werden, damit das vorherige Element das nachfolgende unterstützt – unser Ziel ist die Harmonie auf dem Teller und im Leben. Bei den Fünf Elementen handelt es sich nicht einfach nur um Ernährung, sondern um eine Art und Weise für ein Gleichgewicht zu sorgen.

Das Ziel besteht darin, eine Diät zu komponieren, die alle fünf Elemente enthält, die durch fünf Geschmacksrichtungen repräsentiert werden.

Feuer (bitter),

Erde (süß),

Metall (scharf),

Wasser (salzig,

Holz (sauer) [4].

Die meisten Speisen enthalten mehr als eine Geschmacksrichtung. Eine Ausnahme bildet Erde (der süße Geschmack), da er nicht ausgeglichen werden muss, man kann ihn gesondert zu sich nehmen (er darf die Ernährung jedoch nicht dominieren). Wie bereits erwähnt, spielt die Reihenfolge der einzelnen hinzugefügten Zutaten eine wichtige Rolle. Sie soll die in der Natur ablaufenden zyklischen Veränderungen widerspiegeln. Wenn wir also z. B. mit dem Element Wasser beginnen, müssen anschließend Holz, danach Feuer. Erde und Metall und zum Schluss Wasser folgen. Bevor die nachfolgende Zutat hinzugegeben wird, muss das Gericht umgerührt und eine Weile gewartet werden. Dies garantiert die energetische Kraft der Speise.

Neben den fünf Elementen haben noch andere wesentlich grundlegendere Regeln einen Einfluss auf die Ernährung – Yin und Yang. Das erste von ihnen symbolisiert Feuchtigkeit und Kälte, Passivität, Nachgiebigkeit, Trauer, Winter, den weiblichen Aspekt der Natur, das Zweite – Wärme, Trockenheit, Kraft, Aktivität, Freude, Sommer und den männlichen Aspekt der Natur. Jede Zutat, außer der Repräsentation einer der fünf Geschmacksrichtungen, enthält ebenfalls verschiedene Proportionen von Yinund Yang und wirkt daher kühlend, wärmend oder neutral. Das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang in den Speisen wird nicht nur durch das Hinzugeben der Zutaten, sondern auch durch deren Verarbeitung gewährleistet: Backen, Braten und Trocknen verleihen der Speise  Yang, das Kochen in einer großen Menge Wasser hingegen verleiht Yin.

Ein weiterer wesentlicher Faktor bei der Zusammenstellung des Menüs ist die Tageszeit, die mit der Funktion eines inneren Organs in Verbindung steht. Gemäß der Regel der sogenannten Organuhr wird jedes Organ täglich zwei Stunden lang am besten mit Energie versorgt und erfüllt seine Aufgabe am besten [5]. Jedem Element werden einzelne Organe zugeordnet, wodurch ein bestimmtes Gericht als dieses Organ stärkend angesehen wird.

Das Gleichgewicht beim Essen erfordert ebenfalls eine Anpassung an die Jahreszeiten, da z. B. der Sommer Yang und der Winter Yin entspricht [6]. Jede Jahreszeit erfordert ein anderes Aktivitätsniveau und was daraus folgt, eine gesonderte Diät, wie der nachfolgenden Zusammenstellung zu entnehmen ist:

 

Frühling – Element Holz; dies ist die Zeit der Erneuerung, gut für die Reinigung des Organismus; im Frühling werden neue Ideen und der Wille zum Handeln geboren, wir fühlen einen Zustrom von Energie; dies ist die beste Zeit, um für das richtige Funktionieren der Leber und der Gallenblase zu sorgen,

Sommer – Element Feuer; dies ist die Zeit der Aktivität, wir können intensiv leben und uns weniger Schlaf erlauben,

Herbst – Element Metall; dies ist die Zeit des in sich kehrens; im Herbst müssen wir für Gleichgewicht sorgen, uns Erholung gestatten und für mehr Schlaf sorgen; so stärken wir die Lunge, die für die Widerstandskraft verantwortlich ist,

Winter – Element Wasser; dies ist die Zeit um das Lebenstempo zu drosseln und die Aktivität einzuschränken; die Zeit zur Regeneration, Erneuerung der Energie und die Vorbereitung auf den neuen Aktivitätszyklus – wir müssen ausruhen, ähnlich wie die Pflanzen, die unter der Schneedecke ruhen.

Dojo – Übergangszeit zwischen den Jahreszeiten. Sie dauert ca. 18 Tage; in dieser Zeit kann man sich des orientiert und abwesend fühlen.

Obwohl die Diät der Fünf Elemente aus China stammt, kann man nach ihr jedes Gericht aus jeder Küche der Welt kochen; oder vielmehr, nicht kann man, sondern muss man, da eine richtige Diät auch auf die Jahreszeiten und das Klima in dem wir leben angepasst sein muss. In unserer Klimazone besteht die besondere Gefahr, sich auszukühlen. Wir sollten deshalb selbst im Sommer vorsichtig sein. Im Herbst und Winter sollten wir hingegen auskühlende Speisen entschieden vermeiden. Am besten für den Organismus sind gekochte und warm gegessene Speisen. In der originalen chinesischen Version der Ernährung nach den 5 Elementen wird Milchprodukte eher misstrauisch, als zu sehr Yin und auskühlend betrachtet; ähnlich rohes Gemüse. Dies heißt jedoch nicht, dass wir darauf verzichten sollen: in der Küche der Fünf Elemente geht es nicht darum Regeln streng einzuhalten, sondern um die Zusammenstellung von ausgeglichenen Speisen aus den in unserer geografischen Region erhältlichen Produkten.

Man muss ebenfalls auf die individuellen Bedürfnisse nach bestimmten Zutaten achten, die mit dem Alter und dem Typ der Persönlichkeit in Verbindung stehen. Vor allem aber müssen Extremitäten vermieden werden. In unserer Ernährung dürfen keine der Geschmacksrichtungen oder auch auskühlende oder wärmende Produkte überwiegen. Obwohl wir die zu Hause zubereiteten Speisen einfrieren können, sollten wir keine Tiefkühlkost aus dem Laden essen - solche speisen sind leblos, sie besitzen keine Energie. Zur Zubereitung von Speisen dürfen keine Mikrowellen oder Induktionsherde verwendet werden. Sie bewirken eine Änderung der Molekülschwingungen in den Speisen, was deren Struktur stört und somit deren Ernährungseigenschaften zerstört [8]. Am besten ist ein gewöhnlicher Gas- oder Elektroherd. Zur Aufbewahrung von Lebensmitteln sollte kein Geschirr aus Eisen oder Kupfer, mit abgeplatzter Emaille oder Rost verwendet werden. Die Aufbewahrung von Lebensmittel in Kunststoffbehältern ist, insbesondere bei Milchprodukten, ebenfalls riskant. Zulässig sind Gefäße und Dosen aus Weißblech [9]. Die Gefäße können anstatt mit Spülmittel und heißem Wasser unter Zugabe von ein wenig Natron (30 g Natron pro Liter Wasser) abgewaschen werden.

Den Tag sollte man am besten mit einem Glas warmen Wasser beginnen (einen ähnlichen Rat finden wir auch bei Ayurveda). Optimal sind drei Mahlzeiten täglich. Man muss langsam essen und jeden Bissen gut durchkauen, sich auf das Essen konzentrieren und während des Essens nichts anderes tun – nicht sprechen, nicht lesen, nicht fernsehen.

Wie Anhänger dieser Diät überzeugen, sind die in Übereinstimmung mit den Regeln der Fünf Elemente zubereitete Speisen geschmackvoller, da die Zutaten in einer geschmacklichen Harmonie zusammengestellt sind. Sie helfen ebenfalls das richtige Gewicht zu halten [10]. Wenn die verzehrten Speisen sich im harmonischen Gleichgewicht befinden, sind wir länger satt und verspüren keinen Drang zusätzlich etwas nebenbei zu essen. Die einzelnen Zutaten werden besser vom Organismus assimiliert. Wenn die Speisen auf die Bedürfnisse des Organismus und die Jahreszeiten abgestimmt sind, haben sie sogar heilende Eigenschaften. Darüber hinaus wirkt das Kochen selbst beruhigend – bei starker Konzentration kann es ebenfalls zu einer Meditation werden. Obwohl wir am Anfang den Eindruck haben können, dass wir dem Kochen mehr Zeit und Aufmerksamkeit widmen müssen, werden wir mit ein bisschen Übung ungefähr genauso viel Zeit benötigen, wie bei der traditionellen Art zu kochen, also circa 30 - 40 Minuten.

Hier eine Zusammenstellung der einzelnen Elemente und der mit ihnen in Zusammenhang stehenden Produkte:

 


Holz

sauer

Feuer

bitter

Erde

süß

Metall

scharf

Wasser

salzig

Eigenschaften

 

Schützt die Körpersäfte, lenkt in die Mitte und nach unten

 

 

Regt den Stoffwechsel an, lenkt nach unten

 

 

Spendet Feuchtigkeit

und sättigt, harmonisiert

 

 

Befreit, lenkt nach oben und nach außen

 

 

 

Durchbricht Stagnation, stärkt Knochen, lenkt tief ins Innere

 

 

Organe

 

Leber

und Gallenblase

 

 

Leber

und Gallenblase

 

 

Milz

und Magen

 

 

Lunge und Dickdarm

 

 

Nieren und Blase

 

 

Lebensmittel

Getreide

Weizen, Dinkel, Kuskus

Roggen, Buchweizengrütze

süßer Reis, Hirsegrütze, Hirse

Hafer, brauner Reis, Gerste

-

Obst

jBrombeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren, saure Äpfel, Blaubeeren, Mandarinen, Orangen, schwarze Johannisbeeren, Erdbeeren, Ananas, Zitrone, Kiwi, Rhabarber

schwarze Holunderbeeren, Pampelmuse, Quitten

 

süße Äpfel, Pfirsiche, Aprikosen, Rosinen, Pflaumen, Bananen, Kirschen,

Birnen, Mandeln, Nüsse, Sonnenblumenkerne, Rosinen

-

-

Gemüse

Petersilie, Hülsenfruchtkeimlinge, Sauerkraut, Mungbohnen Sprösslinge, Tomaten, Sauerampfer

Rosenkohl, Rote Beete, Endivien, Eissalat, Zichorie, Artischocken, Rucola, grüner Salat

Brokkoli, Zucchini, Auberginen, grüne Bohnen, Esskastanien, Süßkartoffeln, gebratene Zwiebeln, Kürbis, grüne Erbsen, Kohlrabi, Weißkohl, Rotkohl und Grünkohl, Möhren, Kartoffeln, Gurke, süße Paprika, Sellerie

rohe Zwiebeln und Steckzwiebeln, Meerrettich, Porree, Schwarzwurzel, weiße Rübe, Kresse, Radieschen

Bohnen, Erbsen, Linsen, schwarzer und gelber Soja, Kichererbsen, Mungbohnen, Oliven 

Fleisch

Huhn, Ente

Lammfleisch, Ziegenfleisch, Fleisch vom Grill

Kalbfleisch, Rindfleisch 

Wild, Gans, Truthahn, Kaninchen

 

Fisch, Salami, roher Schinken, Pökelfleisch, Räucherfleisch, Salzfleisch

Trockenfleisch und Schweinefleisch

Getränke

 

Kirschsaft, Weißdorntee, Hibiskustee

Melisse, Sauerteig,

Weißbier, Champagner,

Weißwein

Schaumwein

Bitterlikör, Glühwein, Rotwein, Cognac, schwarzer Kaffee und Getreidekaffee, schwarzer Tee und Pu-Erh sowie grüner Tee, Bier, kochendes Wasser

Fencheltee, Likör, Met, Portwein, Gemüsesäfte, Sojamilch

hochprozentiger Alkohol, Reiswein, Pfefferminztee

Mineralwasser

Gewürze

Essig

 

frisch: Basilikum, Oregano, Rosmarin, Thymian, Salbei

getrocknet: Wacholder, Bockshornklee, Beifuß, Gelbwurz, Mohn

Zimt, Zucker, Honig, Olivenöl, Vanille, Öle: Kürbisöl, Rapsöl, Sojaöl

 

Cayenne Pfeffer, Chili, Curry, Knoblauch, Ingwer, Pfeffer, Anis, Basilikum, Estragon, Muskatnuss, Senf, Nelken, Kardamon, Kümmel, Koriander, Dill,

Lorbeerblätter, Liebstöckel, Majoran, Oregano (getrocknet), Rosmarin (getrocknet), Schnittlauch, Thymian (getrocknet)

Sojasauce, Salz

Milchprodukte

Kefir, Buttermilch, Weißkäse, saure Sahne, Quark, Joghurt

Milch und Ziegenkäse

Schafskäse

Kuhmilch, Eier, Butter

Schimmelkäse, Parmesan

-

 

 

Beispielrezept – Kaffee nach den Fünf Elementen

•         B – Bitter

•         S – Süß

•         Sch – Scharf

•         Sz – Salzig

•         Sa – Sauer

Zutaten:

B – Wasser

S – Zimt

Sch – Inger, Nelken

Sz – Salz

Sa – Zitrone

B – gemahlener Kaffee

Zubereitung  (zwei Portionen Kaffee):

B – 2 1/2 Gläser Wasser in einen Topf geben und zum Kochen bringen,

S – Einen Teelöffel Zimt dazugeben, umrühren

 

ACHTUNG: Vor der Zugabe der weiteren Zutaten ca. 1-2 Minuten warten!

Sch – einen halben Teelöffel Ingwer und 4 Nelken hinzugeben,

Sz – eine Prise Salz,

Sa – einen Tropfen Zitrone dazugeben,

B – Zwei Löffel Kaffee

Ca. 5 Minuten kochen.

Den Kaffee unbedingt mit Honig gesüßt servieren – so stärkt er den Magen (bitterer Kaffee schwächt und belastet den Magen).

 

 

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Die verschiedenen auf dem polnischen Markt erhältlichen Ratgeber über die Diät der fünf Elemente unterscheiden sich oft hinsichtlich einiger Details. Dies verwundert nicht, denn bei dieser Küche gibt es keine normative Regelsammlung, der man sich vorbehaltlos unterwerfen muss. Die Regeln sind hauptsächlich für Anfänger wichtig und sollen helfen sich auf die neue Art der Ernährung umzustellen. Diese Phase kann schwierig sein. Man muss nicht nur mit alten Angewohnheiten brechen, sondern viele kleine Regeln beachten. Mit der Zeit jedoch, wenn wir diese Regeln beherrschen, beginnen wir sie automatisch anzuwenden. Wir können es uns dann erlauben sich von unserem Gefühl leiten zulassen und auch Veränderungen einzuführen. Das Kochen nach den Fünf Elementen ist eine Kunst und ein Abenteuer – es gelten gewisse Regeln, jedoch diejenigen, die bereits Erfahrung gesammelt haben, können diese Regeln kreativ interpretieren [11].