Ich bin kein Freund von Ratgebern. Sie sind einseitig und der Autor wirbt gewöhnlich für seine Methode abzunehmen, glücklich zu werden oder ein langes und gesundes Leben zu führen als den einzigen Weg, um dieses Ziel zu erreichen. Solche Bücher werden meistens von Hochstaplern oder fanatischen Personen geschrieben. Ich misstraue ihnen nicht nur, sondern habe auch nur Spott für sie übrig.

Meine Partnerin hat gestern "Unvorstellbar. Die Macht und Paradoxe unseres Verstands" von Wiltold Bońkowski gekauft. Der Sommer ist heiß, so hat das Mädchen nur erklärt, dass es "abnehmen" möchte und anschließend viel sie aufs Sofa und machte ein Nachmittagsschläfchen. Aus Langeweile habe ich nach dem Buch gegriffen. Normalerweise beginne ich immer mit de Buchrücken.

Ich habe erfahren, dass Herr Witold Bońkowski sein abgeschlossenes Jura Studium für die Führung eines Geschäfts in der Automobilbranche geopfert hat. Ich gebe zu, dass mein Misstrauen gegenüber dem Buch vorübergehend gestiegen ist. Was hat ein Enthusiast des Automobilsports – unabhängig von der Art seiner Ausübung – schon anderen mitzuteilen. Einen Augenblick später hat mich jedoch die Widmung des Autors an die Waisen und der Aufruf zur Liquidierung der institutionellen Kinderheime neugierig gemacht. Ich habe gedacht, das ist nicht nur eine mutige, sondern auch sinnvolle Äußerung und mit größerer Sympathie habe ich den Ratgeber an einer willkürlichen Stelle aufgeschlagen.

Ich habe in letzter Zeit Schlafprobleme und so habe ich die Seite 277 (ich bin zufällig auf das Kapitel gestoßen, in dem der Autor die psychischen Hintergründe von Krankheiten anspricht) mit dem Abschnitt über die Schlaflosigkeit beinahe wie eine Prophezeiung gelesen. Dort ist der Ratschlag zu finden dass bei der Bekämpfung der Schlaflosigkeit „der Verzicht darauf, ständig den Ablauf der Ereignisse kontrollieren zu wollen” helfen kann. Selbstverständlich strebe ich danach, mein Leben zu kontrollieren. Bis zu diesem Zeitpunkt erschien mir dies als normal.

Ich habe das Buch für einen Moment beiseitegelegt und mir überlegt, ob das Hinnehmen und Akzeptieren der nicht von uns beeinflussbaren Ereignisse eventuell der Weg zu Ruhe und Frieden ist. Oder wenigstens ein Weg, unnötigen Stress zu vermeiden. Ich habe die Frage noch nicht beantwortet, aber ich habe selbst vor mir zugegeben, dass dieses Problem mich verblüfft hat. Ich habe die Seiten aufgeschlagen, wegen der meine Partnerin das Buch gekauft hat. Ich war verwundert. Ich bin nicht auf irgendein einziges und allein richtiges Rezept gestoßen, sondern auf vier Ernährungsphilosophien. Der Autor hat nichts suggeriert. Dafür hat er dem Leser die Wahl gelassen, welchen Weg er beim Abnehmen beschreiten will.

Diese fehlende Aufdringlichkeit, seine Idee durchzusetzen zu müssen, hat meinen letzten Widerstand gebrochen. Ich habe die Skepsis abgelegt und das Wort "Zwangsvorstellung" habe ich unterbewusst mit "Lebensweisheit" ersetzt.

Ich weiß nicht, was mich gereizt hat. Es war ein langweiliger Nachmittag, meine Freundin hat geschlafen und ich habe die gestern gekaufte Avocado aus dem Kühlschrank genommen und begonnen Guacamole zuzubereiten! Tomaten, Knoblauch, Limone, natürlich Avocado und ein paar Zutaten in Form von Gewürzen – dieses Rezept musste meine schlafende Prinzessin erobern.

Sie schlief jedoch und ich habe mich in die Lektüre weiterer Fragmente des Buches von Witold Bońkowski vertieft. Das Kapitel über Sex, Liebe und Hass hat meine Sensibilität berührt. Ähnlich sah es bei der Beschreibung der Mechanismen in Korporationen aus, die zu einer Verkümmerung menschlicher Emotionen führen. In die übrigen Teile konnte ich nur ein wenig reinschnuppern.

Ich bin jedoch überzeugt, dass ich zu ihnen zurückkehren werde, denn zum Schluss habe ich verstanden, dass Witold Bońkowski die Vermittlung einer Wahrheit anstrebt – dass die menschliche Natur ein komplexer Mechanismus ist, der sich aus der Seele, dem Verstand und dem Körper zusammensetzt. Wenn zwischen ihnen keine Harmonie herrscht, sind alle unsere Absichten nichts wert; wir nehmen nicht ab, wir verbessern nicht unser Sehvermögen, wir bauen keinen Stress ab. Wenn wir den Verstand verneinen und dem Körper sämtliche Freiheiten lassen, haben wir große Chancen, schnell zu einem perversen Fettwanst zu werden. Wenn wir umgekehrt vorgehen, dann wird unser schöner Verstand bald beginnen zu knirschen, denn ein krankhafter und geschwächter Körper wird beginnen zu husten, zittern, das Sehvermögen und Gehör zu verlieren und sich beugen. Damit es dazu nicht kommt, muss seine Einstellung zum Leben ändern. Und hier sind unsere vom Verstand erzeugten Gedanken der Schlüssel.

Der Verstand erzeugt Stress dann, wenn die Erinnerungen nachhängen oder uns auf in der Zukunft liegende Pläne konzentrieren.

Aus der kurzen Lektüre des Buches von Herrn Bońkowski habe ich verstanden, dass wir uns auf den gegenwärtigen Moment konzentrieren sollten.

Bei einer entsprechenden Einstellung (ein Lächeln im Gesicht oder eine aufrechte Haltung) werden uns nur aktuelle Angelegenheiten beschäftigen, an die man konstruktiv, das heißt, positiv herangehen muss. Auf diese Art und Weise vermeiden wir Sorgen, die wir uns selbst spendieren. Wenn sich der Schlüssel zu Glück, Freude und Gesundheit in unseren Köpfen befindet, dann müssen wir nur unsere Einstellung ändern. Wozu sich unnötig Sorgen machen, wenn wir uns im selben Moment der sonnigeren Seite unseres Lebens hingegeben können. Dies kling ziemlich einfach, ist aber äußerst schwer zu realisieren. Von Kindesbeinen an haben wir uns daran gewöhnt, uns das Leben kompliziert zu machen. Wenn wir uns vollkommen verstrickt haben, dann suchen wir Hilfe beim Arzt, Therapeuten, zufälligen Bekannten. Dabei liegt das Heilmittel zum Greifen nahe. Es ist unser Kopf. Unsere Gedanken. Unsere Wahrnehmung des Lebens.

Ich bin mir dessen bewusst, dass meine Rezension emotional und dadurch enthusiastisch ist, aber ich verspreche, dass ich das Buch studieren werde und sich meine Meinung rationalisieren wird, die ich dann mit meinen Bekannten teilen möchte.

Ich grüße den Autor, den Verlag und eile zu meiner Freundin, die anfängt, sich auf dem Bett zu regen. Gleich wird sie sich von der gesunden Kraft der Avocado überzeugen!

Mit bestem Dank,

Tomasz Kaźmierczak.